© Michael Price Inc.
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Eurydike

Ein Tag weg von der Mutter
weder Schatten
noch Sonnenwärme
eine Frau - fast
und schau
in die schönste Brust hinein,
plötzlich ist die vererbte Last
meiner Mitgift
verheiratet.

Unbehagen eines Mantels - Futter
wie ihr eingewachsener Spruch
"Gibt keinem Mann zuviel Liebe"
- und es ist mir kalt geworden
ein Tag weg von der Mutter.

Orpheus - mein Mann.
Wir dachten
ich sei seine Frau.
Bezaubernder Gesang,
der die Bäume, Vögel und Steine bewegte,
streichelte nur die Vorstellung
seiner arglosen Liebe.

Ich fühlte mich geküßt und geschlagen,
aber Orpheus war mein Mann!
Lippen zusammengepreßt,
Angst meiner eigenen Empfindungen.
Ich habe gespuckt
- kein Kind war da.

Geburt der Regentropfen
die eine Glasscheibe kitzeln
weglaufen wie Nachdenken
herunter
von Erwartungen
aufgehalten,
weiter von Nachkömmlingen verschoben.
Kein Schicksal
im Genuß des Schweigens
sich aufzulösen.

Unendliche Ratenzahlung meiner Seele.
Ich habe geweint.
Abgetriebener Willen.
Hoffnung mit ihm
- die Durchsichtigkeit.
Alles vergebens
die Trauung meines Bauches
voller Versprechungen
vergeblich verheiratet.
Ich habe gespuckt
ein Tag weg von der Mutter.
Ein Kind war da.

Ohne zu wissen
verlangte Orpheus
voller Verständnis:
zerrissene Wurzeln
meiner Narbe.
Erscheinungen blühend,
Farbenpracht
des Nichtwahrnehmens.
Ohne zu wissen
war Orpheus mein Mann.

Er glänzte,
ich Abglanz
der Rosen Lied
verdornter Schatten.

Kaum eine Frau
- doch eine Frau geworden
belagert von Verlangen
des nicht Wollens.

Er kam auf mich zu,
Orpheus,
und der Himmel strahlte.
Als er sang
weinten die Götter vor Freude.
Er nahm mich
ohne zurückzuschauen,
sanft
aber voller Gier.
Sein Kuß
geübt.

Ich spürte eine Haltlosigkeit
ich,
das weibliche Wesen
hoffnungslos ertrinkend.
Machtlos
ließ ich ihn alles kosten
- er war mein Mann.
Keinen Seufzer mehr aus meinem Mund
und seine Stimme
entmachtet.
Tier der Zärtlichkeit
spürte nicht
wie ich bebte
bis sich mein Herz verwandelte
- ein Tropfen Blut auf einem Stein
fassungslos
- wund.

Die Götter fingen an
zu heulen.
O! du armes Mädchen
kaum eine Frau geworden.
Ich hab' gespuckt.

Die Rettung.
Von seinen Bienen getragen
kam Aristaeus
wie ein Besessener von meinem Duft.
Ich gab mich hin.
Wie gestochen,
und vom Wind getragen
flog er weg.

Wie klein ist die menschliche Seele geworden
nach den Jahrhunderten weg von der Mutter.

Ich starb.
Orpheus sang seine schönsten Lieder.
Die ganze Welt - ein Klang.
Sonnenaufgang.
Der Mond ertrank.

Von mir nur ein Echo.
Von der Liebe einer Schlange
verschlungen.
Von mir nur eine Zeile,
nicht einmal die Begleitung eines Schattens
durch die Unterwelt.

Ich verschlossene Blume
verdornter Rosen Lied.

Trauermarsch der Schatten.
Der Weg durch eine Wiese
endloser Verspiegelung,
Brücken aus Klageliedern
über verspielten Felsen.
Meine Stimme
ein überwachsener Teich
murmelnd.

Die Besinnung meiner Sinnlichkeit:
kein Rosen Lied
der vollkommener Weiblickeit.

Ein Wesen stand vor mir
ging wie Luft durch mich
aber war schon mein Atem,
dass aus Verzweiflung weg blieb
lächelnd hinter mir.

Er zeigte sich,
ein schöner Mann
sanft, ruhig,
durchsichtig.
Sein Sex - strahlendes Licht,
seine Flügel saugten die Dunkelheit auf.

Umarmt wie nie zuvor (im Leben)
wollte ich mich in ihn hineinkriechen,
und wußte,
ich würde nicht mehr sagen
wie schön es sei.
Er wußte es.
Ein pulsierendes Licht
kam von mir heraus.
Mein Bauch war anders.
Ich dachte,
er müßte bei mir sein.
Er war schon in allen Spiegeln
und in mir.

Sein Kuß
- Berührung,
von Lebendigen verredet,
nur ein Vorwand
ihre Realität undurchsichtig zu halten.
Die Lebendigen
lebendig begraben
in dem Bewußtsein
voller Geist und Gedanken
des meßbaren,
beweisbaren Glaubens.
Meine Seele
fast aufgespürt,
fast durchgebohrt.
Keine Hilfe aus dem Labyrinth des übergangs.
Ich, nur eine Leiche.

Kremierte Blume
mißachteter Rosen Lied.

Eine glücklose Lyren-Gestalt
kniete vor mir.
Sein Mund bewegte sich
und die Hände streichelten sein Instrument.
Ich hörte nichts
außer die Liebesgeräusche des Universums,
und fühlte nur Mitleid für den Mann,
der noch keinen Engel gesehen hatte,
- Orpheus.
Er ist mit der Kraft eines Lebendigen
in den Bereich hinein,
wo das Ich-sein längst stumm ist,
durchgedrungen.

Ich schaute zu
wie Orpheus zurückgeschickt wurde,
um die Kunst
des lebenswürdigen Sterbens zu beherrschen.
Mit fragendem Blick staunte er zurück
zu mir
aus dem Menschen,
aus Unverständnis.

Rosen Echo
auseinander gerissenes Lied.

Weit entfernt von meiner Mitte,
zugemauert
aus dem ewigen Nachklang
des Schweigens.
Eine Frau wie andere,
ausgesaugt wie andere
mit Erlaubnis
des nicht Wissens,
und die Gefühle
blieben stecken
am Leben.
Eurydice

One day away from the mother
neither shadow
nor the warmth of the sun,
a woman - almost,
and look
into the most beautiful breast,
suddenly, the inherited burden
of my dowry
is married.

Discomfort of a coat - lining
like her ingrown saying,
"Give no man too much love"
- and it has become cold
one day away from the mother.

Orpheus - my husband.
We thought
I was his wife.
Enchanting song,
that moved the trees, birds and stones
caressed only the idea
of his naive love.

I felt kissed and beaten,
but Orpheus was my husband!
Lips pressed together,
afraid of my own feelings.
I threw up
- no child was there.

Birth of raindrops
that tickle a pain of glass
run away
like afterthoughts
are stopped
by expectations
only to be pushed further by their offspring.
This is no life
to dissolve in the pleasure
of remaining silent.

Endless installment payments of my soul.
I have cried.
Abortion of my will.
Hope with him
into see-throughness.
All for nothing,
the marriage of my belly
full of promises
married in vain.
I threw up
one day away from (the) mother.
A child was there.

Without knowing,
Orpheus demanded
full of understanding:
torn roots
of my scar.
Apparitions blossoming,
colourful display
of not perceiving.
Without knowing,
Orpheus was my husband.

He radiated,
I - the reflection
of a rose-song's
thorny shadow.

Hardly a woman
- nevertheless; I had become a woman
besieged by desires
of not wanting.

He came to me,
Orpheus,
and heaven shone forth.
As he sang
the gods wept with joy.
He took me
without looking back,
gently,
but full of greed.
His kiss
- practised.

I felt the deepest unsteadiness
in which I,
a womanly being
would drown without hope.
Powerless,
I let him taste everything
because he was my husband.
No longer a murmur from my mouth
and his voice
lost its power.
Creature of tenderness
did not notice
how I quaked
until my heart was transformed
- a drop of blood on a stone
confused
- sore.

The gods started
to cry.
Oh, you poor child
- hardly a woman.
I threw up.

The rescue.
Carried by his bees
came Aristaeus
as one obsessed by my scent,
and I gave myself completely.
As if stung,
and carried by the wind
he flew away.

How small the human soul has become
after the centuries away from the mother.

I died.
Orpheus sang his most beautiful songs.
The whole world - one sound.
Sunrise.
The moon drowned.

From me - just an echo.
Swallowed up
by the love of a snake.
From me - just a line,
not even the accompaniment of a "shadow"
through the underworld.

I - closed up flower
of a thorned rose-song.

Funeral procession of the Shades.
The way through a field
of endless mirrors,
Bridges of elegies
over playful rocks.
My voice
an overgrown pond
murmuring.

The awareness of my sensuousness
dissolved
into senselessness.

A creature stood before me
passed through me like air
but was already my breath
which in complete confusion stayed away
laughing behind me.

He showed himself.
He was a handsome man
gentle, quiet
see-through.
His sex was glowing light,
and his wings soaked up the darkness.

Embraced as never before (in life)
I wanted to crawl into him,
and knew,
I would no longer be able to say
how beautiful it was.
He knew.
A pulsating light
came out of me.
My belly was different.
I thought
he must be with me.
He was already in every mirror
and in me.

His kiss
- the touch
dismissed by people still alive,
only an excuse
to keep their reality opaque.
The living
full of spirit and thoughts
buried alive
by the insistence
of the measureablity
of provable belief.
My soul
almost tracked down
almost pierced.
No help out of the labyrinth of transition.
And me - just a corpse.

Cremated flower's
neglected rose-song.

A hapless lyre-figure
neeled before me.
His mouth moved
and 'the' hands stroked his instrument.
I heard nothing
apart from the love-sounds of the universe,
and I felt only pity for the man
who had not yet seen an angel,
- Orpheus.
With the strength of one who is alive
he penetrated the region
where the ego has long been mute.

I observed
how Orpheus was sent back
to learn how to master
the art of dignified dying.
With a questioning look he stared back
at me
out of the human being
out of incomprehensibility.

Rose-echo's
completely torn apart song.

How distant from myself
walled up
by the eternal resonance
of keeping quiet.
A woman like others
sucked out like others
with the permission
of  not knowing,
and feelings
still caught
in life.
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